Faszienrollen: Potenziale und Probleme

Faszienrollen: Potenziale und Probleme

Ich möchte Euch heute einen Einblick in den wissenschaftlichen Forschungsstand zum Thema Faszienrollen geben. Ausgangspunkt ist dabei die aktuell größte Review zu diesem Thema, die 133 Artikel untersucht hat.

Was können die Faszienrollen?

Gemäß dem aktuellen Wissensstand, kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass der Einsatz von Faszienrollen zu einer kurzfristigen Verbesserungen der Beweglichkeit führt. Die Leistung der Muskulatur wird dabei nicht verringert. Weitere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass diese Verbesserung der Beweglichkeit in Kombination mit einem Stretching noch deutlicher ausfällt. Darüber hinaus führt die Massage mit der Faszienrolle höchstwahrscheinlich auch kurzfristig zu einer Reduzierung von Abfallstoffen im Bindegewebe und verringert so auch das Schmerzempfinden.

Wo streiten sich die Geister?

Ein Hauptstreitpunkt ist jedoch die Frage, inwieweit das Rollen durch Anregung des Blutflusses die Regeneration verbessert (z.B. durch eine damit einhergehende verbesserte Sauerstoffversorgung oder verringerte Laktatkonzentrationen). Eine im International Journal of Sports Physical Therapy (IJSPT) veröffentlichte Studie vermutet dies, eine neuere Studie von Prof. Dr. Jürgen Freiwald der Universität Wuppertal verneint es. Eine zentrale Frage ist die nach der Druckintensität der Massage. So wurden zum Beispiel bei Sportlern während des Rollens Drücke gemessen, die bis zu 10-fach höher waren, als die höchste medizinische Kompressionklasse. Des Weiteren ergab sich, dass doppelt so hohe Werte wie bei Studien zum Thema Okklusionstraining (BFR-Training) verwendet wurden. [1]

Was können Faszienrollen nicht?

Klarer sind die Verhältnisse hingegen im Bezug auf das, was die Faszienrollen nicht können. Wie die Forschungen von Prof. Dr. Freiwald und Matthias Kühnemann zeigen, bringt das Rollen zum Aufwärmen keinerlei Verbesserung der Kraftfähigkeiten, Sprungleistungen[2], der anaeroben Leistungsfähigkeit sowie der Sensomotorik (Koordination) mit sich. Diese Erkenntnis erscheint vollkommen logisch, wenn man sich die Vorteile der Faszienrollen ansieht, nämlich die Verbesserung der Beweglichkeit ohne einen Einfluss auf die Leistung der Muskulatur. Mehr noch hat es den Anschein, dass sich das Rollen gar nicht auf die Muskulatur auswirkt, wie die im IJSPT veröffentlichte Studie zeigt:

The research suggests that short bouts of foam rolling […] to the lower extremity prior to activity does not enhance or negatively affect muscle performance.

Was wurde bei den Studien nicht berücksichtigt?

Leider finden sich eine große Anzahl von Faktoren, die in den Studien zu den Faszienrollen keine Berücksichtigung finden. Es fehlen oftmals Angaben über den Zeitraum, die Richtung und die Intensität des Rollens. Dabei machen diese Aspekte durchaus einen Unterschied. Dies legt eine Studie der Wissenschaftler Estêvão Rios Monteiro und  Victor Gonçalves Corrêa Neto an 25 Frauen nahe, die an einem Beinstrecker trainierte. Zwischen den Sätzen rollten Sie entweder 60-, 90- oder 120 Sekunden den Agonisten. Durch 60- sekündiges Rollen verbesserte sich die Regeneration. Bei den Frauen, die länger als 90 Sekunden gerollt hatten, wurde allerdings die Kraftleistung geringer.

Mit anderen Worten, wir wissen noch ziemlich wenig über das Rollen. So wie es aussieht, ist es wohl eine funktionierende Methode, um Eure Beweglichkeit vor dem Training zu erhöhen und Eure Regeneration danach zu unterstützen. Inwieweit dies durch fasziale Übungen ebenfalls (oder vielleicht besser) erreicht werden kann, werden wir wohl erst zu einen späteren Zeitpunkt erfahren.

 


[1] Freiwald, J., et al. (2016). “Foam-Rolling in sport and therapy – Potential benefits and risks: Part 1 & 2 – Definitions, anatomy, physiology, and biomechanics.” Sports Orthop Traumatol 32: 258-275.

[2] Kühnemann, M. (2016). Untersuchung akuter Effekte einer myofaszialen Eigenbehandlung mittels Massagerolle auf die Vertikalsprungleistung und ausgewählte Gewebeeigenschaften. (Master Master Thesis), Bergische University Wuppertal, Wuppertal.

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